Atomfirma Nukem Technologies wird russisch

Datum: 19.08.2009
Die auf das Management von radioaktiven Abfällen spezialisierte Firma Nukem Technologies wird von ihrer Muttergesellschaft Nukem an Atomstroyexport, eine Tochter des russischen Staatskonzerns Rosatom, verkauft. Zu den genauen Modalitäten und dem Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Die zuständigen Kartellbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen.

Nukem Technologies rechnet sich gute Chancen aus, nach der Stilllegung von deutschen Atomkraftanlagen mit dem Rückbau beauftragt zu werden. In Tschernobyl ist das Unternehmen, das rund 200 Ingenieure und Physiker beschäftigt, bereits seit Jahren am der Abwrackung der alten Reaktorblöcke beteiligt.

Diese neue Firmenkombination lässt nicht nur bei Greenpeace die Alarmglocken schrillen, die den Deal entsprechend negativ kommentierten. Denn sollte ein Rückbau unter russischer Führung stattfinden, würden weniger strenge Sicherheitsstandards zum Tragen kommen. Darüber hinaus steht die Firma Nukem für verschiedene Skandalgeschichten. Ende der Achtziger Jahre wurde ihrer Hanauer Brennelementefabrik im Rahmen des so genannten Atommüllskandals die Betriebsgenehmigung entzogen, was zu einem Teilverkauf, einem Umzug ins fränkische Alzenau und einer Neuausrichtung führte.

Damals war einer der Kernvorwürfe die Bestechung von Mitarbeitern in der Atomindustrie um an lukrative Aufträge zu gelangen. 2006 filmte ein ukrainischer Fernsehsender mit versteckter Kamera, wie ein Nukem-Mitarbeiter den Direktor von Tschernobyl zu bestechen versuchte. Am Ende dieser Geschichte stand nach einer Überprüfung die Entlassung des Mitarbeiters wegen individuellem Fehlverhalten. Nukem selbst konnte nichts nachgewiesen werden. Ein fader Beigeschmack bleibt trotzdem.
Quelle: taz.de vom 19.8.09