Deutsche Post mit Interesse an der Royal Mail

Datum: 06.04.2009
Im alteingesessenen Bankhaus Rothschild in London tagte vor zwei Wochen eine prominente Runde aus Finanzexperten sowie Managementvertretern der britischen Royal Mail und der Deutschen Post. Ziel des Treffen war es, die Möglichkeiten eines Einstiegs der Bonner beim britischen Staatsunternehmen auszuloten. Und trotz des Schweigens seitens der Deutschen scheinen die Chancen dafür nicht schlecht zu stehen.

Bis zum Sommer sollen mindestens dreißig Prozent der Anteile verkauft werden. Neben den Deutschen ist die niederländische TNT Post ebenfalls an der Royal Mail interessiert. Dagegen regen sich allerdings weit reichende Proteste in Großbritannien, weil ein sozialer Kahlschlag mit einem Jobabbau von bis zu 50.000 Stellen befürchtet wird, sollte TNT einen maßgeblichen Einfluss bekommen. Die Gewerkschaft Communication Workers Union hat für den Fall einer missliebigen Übernahme bereits einen harten Abwehrkampf angekündigt.

Nach Expertenansicht birgt ein Einstieg der der deutschen Post durchaus Risiken. Zwar kann sie die Geldmittel von geschätzten drei Milliarden Euro durchaus aufbringen. Aber die Royal Mail bedürfte in vielen Geschäftsbereichen einer Generalüberholung. Einen Anfang hat die Regierung in London jüngst mit der Ankündigung einer Übernahme der landesweit rund 12.000 Postämter gemacht, womit immerhin ein wichtiger Punkt im Sinne eines potenziellen Investors entschieden wäre. Ob sich die Deutsche Post nach ihrem desaströsen Amerikaabenteuer, bei dem mindestens sieben Milliarden Euro versenkt worden sind, auf eine neue Auslandsaffäre einlassen wird, bleibt allerdings abzuwarten.
Quelle: welt online vom 5.4.09