Edscha gibt Cabrio-Sparte an Webasto ab

Datum: 04.08.2009
Die so arg gebeutelte Automobilbranche kommt einfach nicht zur Ruhe. Aber wie soll sie auch, so lange so große Unternehmen wie Edscha zahlungsunfähig sind und vor einer Konzernaufspaltung stehen. Die gesamte Cabriodach-Sparte wurde jetzt notgedrungen an den bayerischen Konkurrenten Webasto verkauft.

Angaben zum Kaufpreis wurden keine gemacht. Nach Expertenmeinung ist ein zweistelliger Millionenbetrag gezahlt worden. Eine immer noch recht vage Einordnung. Sollten die Kartellbehörden zustimmen, geht es zunächst einmal für die 1.200 Mitarbeiter aus der Cabrio-Sparte des insolventen Remscheider Unternehmens weiter. Wie lange, ist eine andere Frage. Denn Webasto plant eine Zusammenlegung mit dem eigenen, rund 400 Mitarbeiter starken Geschäftsbereich Cabrio. Geleitet werden soll der allerdings vom bisherigen Edscha-Management. Was das für die einzelnen Werke und Arbeitsplätze heißt, bleibt abzuwarten.

Edscha gehört mehrheitlich dem Finanzinvestor Carlyle. Das seit 1870 bestehende Unternehmen ist bisher in den drei Geschäftsfeldern Scharniersysteme, Betätigungssysteme und Cabrio-Dachsysteme tätig gewesen und hat an so gut wie alle großen Autohersteller geliefert. Weltweit gehören 22 Produktionsstätten zum Konzern, der im letzten Geschäftsjahr 1,1 Milliarden Euro umsetzte.

Webasto kann ebenfalls auf eine mehr als hundertjährige Tradition zurückblicken. Cabriodächer, Klimaanlagen und Standheizungen sind die Kernsegmente des in Stockdorf bei München ansässigen Konzerns. Der weltweit tätige Autozulieferer erreichte 2008 mit etwa 6.600 Beschäftigten einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro. Im Rahmen des Bieterwettstreits um Edschas Cabrio-Sparte behielt Webasto unter anderem gegen ein Bieterkonsortium um den Ex-Edscha-Manager Horst Kuschetzki und Daniel Hopp, Sohn des SAP-Mitgründers Dietmar Hopp, die Oberhand.
Quelle: handelsblatt.com vom 4.8.09