HP bläst mit EDS zum Gipfelsturm

Datum: 19.05.2008
Hewlett Packard (HP) übernimmt den texanischen Beratungs- und Outsourcing-Unternehmen Electronic Data Systems (EDS). Damit kommt Konzernchef Mark Hurd seinem großen Ziel wieder ein Stück näher, sein Unternehmen auf Augenhöhe mit dem weltweit führenden IT-Konzern IBM zu stellen.

Ob jedoch der Kaufpreis gerechtfertigt ist, muss die Zukunft zeigen. An der Börse und bei den Investoren herrscht geteilte Meinung darüber, ob EDS die von HP gezahlten 13,9 Milliarden US-Dollar wirklich wert ist. Der Kurs der HP-Aktien ließ zumindest in der letzten Woche um über zehn Prozent nach.

EDS ist im Bereich IT-Dienstleistungen eines der größten Beratungsunternehmen und beschäftigt rund 137.000 Mitarbeiter, davon etwa zwei Drittel in Nordamerika. 2007 wurde zwar ein Umsatz von 22,1 Milliarden US-Dollar erreicht. Allerdings war das im Vergleich zum Vorjahr nur eine Steigerung um 3,4 Prozent in einer boomenden Sparte mit durchschnittlich dreifach darüber liegenden Gewinnerwartungen.

Nach Expertenansicht wird HP rund drei Jahre brauchen, um das Unternehmen an die aktuellen Anforderungen des Marktes anzupassen, wie zum Beispiel die Verlagerung bestimmter Geschäftsfelder in die dynamischen Wachstumsmärkte wie Indien. Zu den Hauptkunden des 1962 von Ross Perot, seines Zeichens ehemaliger Präsidentschaftskandidat in den USA, gegründeten Unternehmens zählt von Beginn an das US-amerikanische Militär. Das hat in einer hoch entwickelten Bürokratie innerhalb des Konzern eine Widerspiegelung gefunden.

Lange Zeit hat HP im Gegensatz zu IBM den Bereich der IT-Service-Leistungen eher stiefmütterlich behandelt und sich vor allem auf Computer und Drucker gestützt, um dort seinen weltweiten Nr.1-Status auszubauen. Spätestens mit der EDS-Übernahme wurde dieser Kurs korrigiert. Der Anteil der Serviceleistungen am Gesamtumsatz wurde dadurch auf etwa 30 Prozent nahezu verdoppelt. HP verfügt jetzt über ein Komplettangebot, das von Hardware über Software bis hin zu IT-Services jeder Art reicht. Ein vergleichbares Angebot gab es bislang nur von IBM.

Gemeinsam erreichen HP und EDS im Service-Business einen Jahresumsatz von circa 38-39 Milliarden US-Dollar. Damit reichen sie zwar noch bei weitem nicht an die 54 Milliarden von IBM heran, holen aber immerhin gewaltig auf. Über den Erfolg des ehrgeizigen Gipfelsturms lassen sich zumindest zum jetzigen Zeitpunkt noch keine verlässlichen Prognosen abgeben.

Quelle: Euro am Sonntag vom 18.5.08