Infineon: Weg aus der Krise oder Pfad in den Abgrund?

Datum: 13.07.2009
Schwierige Situationen erfordern oft mutige Entscheidungen. Manchmal münden diese jedoch eher in Verzweiflungstaten. In welche Richtung nun die in einer Zwangslage von Infineon-Vorstandschef Peter Bauer getroffene Entscheidung den bayerischen Chiphersteller treibt, wird sich vermutlich recht schnell zeigen.

Um die drängenden Finanzsorgen loszuwerden, holte Bauer sich den hart am Limit, nach Meinung einiger Experten aggressiv auftretenden US-Investor Apollo an Bord. Über eine geplante Kapitalerhöhung werden die Amerikaner bis zu 29,99 Prozent der Anteile übernehmen. Das spült dann bis zu 725 Millionen Euro in die leeren Kassen des Halbleiterkonzerns. Als Gegenleistung verlangt Apollo unter anderem den Posten des Aufsichtsratschefs um das Ruder selbst lenken zu können.

Und das könnte nach Meinung des Commerzbank-Analysten Thomas Becker den Konzern direkt in stürmische Gewässer führen. Er hält neben dem Verkauf des Bereichs Mobilfunk-Chips sogar eine Zerschlagung des Unternehmens für möglich. Dementsprechend besorgt zeigten sich auch die Gewerkschaften, die einen massiven Stellenabbau befürchten.

Als neuer Mann für den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden steht der Apollo-Manager Manfred Puffer bereit, der bereits bei der WestLB, HVB, Bear Stearns und Kirch hohe Positionen inne hatte. Bleibt also abzuwarten, ob sich der Coup für Infineon als Unternehmen und für die Mitarbeiter rechnet.
Quelle: Reuters Deutschland vom 10.7.09