Keiner kauft Hertie - Das Aus ist damit besiegelt

Datum: 20.05.2009
Berichten wir normalerweise nur darüber wer wen kauft oder verkauft, nehmen wir an dieser Stelle durchaus etwas wehmütig Abschied von der Marke Hertie. Ein Name mit dem vermutlich jeder in Deutschland aufgewachsene Mensch Erinnerungen verknüpft. Sei es an die früheren großen Warenhäuser oder an die späteren nicht mehr ganz so großen. Hertie gehörte einfach dazu. Wie Haribo, Persil oder Nivea.

Nun ist es also aus. Gut 84 Prozent der Schuldner entschieden sich dafür alle 54 verbliebenen Filialen zu schließen. Damit stehen rund 2.600 Menschen vor dem Verlust ihres Jobs. Insolvenzverwalter Bähr gab dem britischen Mutterkonzern Dawnay Day die Hauptschuld, da sie für die Häuser überzogene Mieten bei nicht akzeptablen Bedingungen verlangten und nur Geld aus Hertie rausziehen wollten. Die Briten dementierten dies, verwiesen auf von ihnen getätigte Kapitalspritzen und machten das Fehlen eines potenten Investors als Grund für die Liquidation aus.

Herties Geschichte begann 1882 mit einem von Oscar Tietz eröffneten Warenhaus in Gera. Als der jüdische Name Tietz im dritten Reich nicht mehr geführt werden durfte, nahm man die ersten drei Buchstaben des Geldgebers Hermann Tietz um daraus den griffigen Namen zu machen, der später in ganz Deutschland bekannt wurde.
1994 wurde die Warenhauskette vom Konkurrenten Karstadt geschluckt. Alle Hertie-Filialen wurden entweder geschlossen, verkauft oder in Karstadt umbenannt. Aber das war noch nicht der Tod der Marke Hertie.

Denn alle Karstadt-Kompakt Niederlassungen wurden 2005 von Arcandor an Dawnay Day verkauft und erhielten im März 2007 den Namen Hertie. Damit erlebte der Markenname Hertie seine zweite Geburt. Allerdings hat sich nun der Geburtshelfer eine Rolle als Totengräber zugelegt. Goodbye Hertie.
Quelle: Spiegel-online vom 20.5.09