Manroland wird zerschlagen - Possehl steigt ein

Datum: 19.01.2012
Die gute Nachricht beim insolventen Druckmaschinenhersteller Manroland lautet: 2.500 Arbeitsplätze werden gesichert. Die schlechte Nachricht lautet: 2.200 Arbeitsplätze werden abgebaut. Je nach Betrachtung ist das Glas also halb voll oder halb leer. Aber zunächst einmal die Fakten: Die drei Werke in Augsburg, Offenbach und Plauen bleiben alle bestehen, müssen sich aber mit deutlich weniger Arbeitnehmern bescheiden.

Das Hauptwerk in Augsburg wird vom Lübecker Mischkonzern Possehl übernommen. Von den dortigen 2.200 Stellen sollen etwa 700 abgebaut werden. Zugleich sicherte Possehl dem Plauener Werk langfristige Lieferbeziehungen zu und stellte einen späteren Einstieg in Aussicht. Zunächst wird dieser Standort vom Management und dem Insolvenzverwalter übernommen. Von den 680 Jobs werden aber wohl knapp 400 wegfallen.

Auch in Offenbach wollen zunächst Management und Insolvenzverwalter mit Unterstützung eines Investors das Zepter in die Hand nehmen. Für die Finanzierung ist allerdings eine Bürgschaft des Bundeslandes Hessen notwendig. Fast tausend der 1.750 Arbeitsplätze werden am Ende dieses Prozesses jedoch nicht mehr vorhanden sein. Immerhin wollen auch die bisherigen Besitzer von Manroland, die MAN und Allianz Capital Partners (ACP) rund 24 Millionen Euro für Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaften zur Verfügung stellen.

Possehl hatte sich in einem Bieterverfahren gegen den US-Finanzinvestor Platinum Equity durchgesetzt, der Manroland zwar komplett kaufen wollte, dem aber insbesondere die IG Metall ablehnend gegenüberstand, da sie darin keine langfristig tragende Lösung sah. Dagegen hofft sie bei Possehl auf ein dauerhaftes Interesse und trägt deshalb den Verkauf auch mit.
Quelle: zeit.de vom 18.1.12