Modekette Wehmeyer hat wieder Zukunft

Datum: 04.11.2008
Nachdem das leckgeschlagene Schiff zu sinken drohte, ist nun wieder Land in Sicht. Die insolvente Modekette Wehmeyer wird mit sofortiger Wirkung von Rajive Ranjan übernommen. Der indische Textilunternehmer will alle 23 verbliebenen Filialen erhalten. Über den gezahlten Preis wurde Stillschweigen vereinbart. Letzter Besitzer war die Schottenstein Gruppe, ein Finanzinvestor aus den USA.

Wehmeyer musste im Juli diesen Jahres Insolvenz anmelden und 16 seiner 39 Geschäfte schließen. Von den ehemals rund 950 Beschäftigten, die größtenteils im Oktober in eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft wechselten, sollen nun gut 500 übernommen werden. Von den 23 erhaltenen Filialen liegen 18 in Nordrhein-Westfalen. Ob der Firmensitz in Aachen bleiben wird, ist noch unklar.

Ranjan will zukünftig auch über Wehmeyer die Produkte seiner Firma Techno Lifestyle verkaufen, deren deutscher Sitz in Düsseldorf ist. Diese lässt bislang Kleidung in Asien fertigen, die sie an große Konzerne wie WalMart, Metro oder Kaufhof liefert. Ranjan plant, den Anteil an Eigenmarken, der bei Wehmeyer bislang bei 50 Prozent lag, auf 60 Prozent zu erhöhen, da in diesem Bereich die Gewinnmargen höher sind. Für diese Versorgung würde dann komplett Techno Lifestyle sorgen. Die übrigen 40 Prozent im Sortiment sollen bekannte Modemarken wie Gerry Weber, Esprit, Street One und S. Oliver füllen.

Zudem wird Ranjan in den nächsten zwei Jahren wohl zwischen 15 und 20 Millionen Euro in die Modernisierung der ehemaligen KarstadtQuelle-Tochter und ihrer Geschäfte stecken. Ein Anfang wird mit einem neuen orangefarbenen Logo gemacht. Kindermode soll nicht mehr verkauft werden. Der Fokus wird auf Frauen und Männer ab 35 Jahren gerichtet. Während dieses Jahr noch ein operativer Verlust von 20 bis 25 Millionen Euro stehen wird, sieht Ranjan bereits für 2009 die Chance, bei einem Umsatz von rund 100 Millionen Euro einen kleinen operativen Gewinn einzufahren.
Quelle: Spiegel-online vom 3.11.08