Neue Mehrheitsverhältnisse bei der Dillinger Stahlhütte

Datum: 16.12.2008
In der saarländischen Stahlindustrie ist Bewegung. Der weltweit größte Stahlproduzent Arcelor-Mittal trennt sich nach langen Verhandlungen von 21,2 Prozent seiner Anteile an der Dillinger Hütte und gibt damit die Mehrheit ab. Als Käufer treten die Montan-Saar-Stiftung sowie die Dillinger Hütte selbst auf. Über eine Zwischenholding gehören der Montan-Saar-Stiftung damit etwa 60 Prozent, wodurch sie künftig den Kurs vorgeben kann.

Sollten die Kartellbehörden dem Deal zustimmen würde der Stahlstandort Saar nicht nur abgesichert, sondern sogar gestärkt aus einem langen Verwirrspiel hervorgehen. Vor einem halben Jahr plante Arcelor-Mittal noch eine Komplettübernahme der Hütte mit folgender Integration in den Konzern.
Nun kontrolliert der Konzern nur noch 30,1 Prozent des Dillinger Kapitals. Der Wert der Hütte wurde im Juli noch auf rund 7 Milliarden Euro geschätzt.

Vor dem Hintergrund der sich verschärfenden Stahlkrise benötigt der indische Weltmarktführer jedoch inzwischen dringend Kapital um nicht zu hart zu fallen. Weltweit sollen etwa 9.000 Arbeitsplätze wegfallen. Davon betroffen sind auch die deutschen Standorte in Bremen, Hamburg, Duisburg und Eisenhüttenstadt. Dem Vernehmen nach sollen für die Anteile der Dillinger jetzt circa 777 Millionen Euro geflossen sein, da die Saarländer nach dem Einsetzen des Abschwungs nur noch mit 2,6 Milliarden Euro taxiert wurden.

Die Dillinger Hütte kann auf einen Jahresumsatz von 2,3 Milliarden Euro verweisen. Die 5.200 Mitarbeiter produzierten im letzten Jahr rund 2,3 Millionen Tonnen Stahl. Von der Krise wird das Unternehmen bislang vergleichsweise wenig berührt, da die Hauptabnehmer in der bisher krisenfesten Energiesparte tätig sind. Künftig soll das Unternehmen enger mit der ebenfalls von der Montan-Stiftung-Saar kontrollierten Saarstahl zusammenarbeiten, wodurch sich vermutlich Synergien in hohem Maße ergeben würden. Personelle Überschneidungen zwischen den beiden Unternehmen gibt es bereits. Die Montan-Saar-Stiftung wurde zwar mit Unterstützung des Saarlands gegründet. Allerdings betonen beide Seiten, dass sie unabhängig agiere.


Quelle: Handelsblatt vom 15.12.08